Der Berggeist

Der Berggeist des Riesengebirges. Eine Gestalt, die die Deutschen mit dem Namen Rübezahl, die Tschechen mit - Herr Jan oder Krakonos, und die Polen mit -Liczyrzepa, Rzepiór oder Rzepolicz verbinden. Nach der bekanntesten von vielen Legenden, verliebte er sich vor langer Zeit und entführte eine liebliche Schweidnitzer Fürstentochter in sein Riesengebirgsreich. Die Fürstentochter, die seine Wachsamkeit einschläfern wollte, trug ihm auf, die Rüben auf den Feldern zu zählen, was ihr die Flucht ins Tal zu ihrem geliebten Verlobten möglich machte. Seit dieser Zeit trägt der Riesengebirgsgeist den schmähenden Namen Rübezahl. Und noch heute sagen die Leute, wenn in den Bergen der Donner zu hören ist, das Rübezahl den Verlust seiner Geliebten beweint.

Mit dem Verlauf der Jahre wurde er zu einer Inspiration für Schriftsteller, Maler und Bildhauer und ein bekanntes Symbol des Riesengebirges. Die erste grafische Aufzeichnung seiner Gestalt finden wir auf den Karten des Breslauer Kartographen Martin Helwig von 1561. Das bekannteste Bild des Riesengebirgsgeistes ist ein Bild von Moritz von Schwind um 1845, das sich heute in der Münchner Schack Galerie befindet.

Der Berggeist wurde zu einer künstlerischen Inspiration für Hermann von Hendrich (geb. Heringen 1854 – wohnhaft in Schreiberhau (Szklarska Poręba) 1931). Der Künstler, fasziniert vom Schaffen Richard Wagners schuf Malereien, die sich auf Legenden und altgermanische Mythen bezogen. Nach Schreiberhau (Szklarska Poręba) kam er 1902 wo er mit dem Philosophen Bruno Wille die "Sagenhalle" - "Halę baśni" schuf. Das Gebäude nach einem Projekt des Berliner Architekten Paul Engler wurde 1903 errichtet und knüpfte an die Symbolik altgermanischer Legenden an. Es war ein Ort der Ausstellung eines Zyklusses von acht großformatigen Gemälden, die dem Berggeist des Riesengebirges gewidmet waren, der von Hermann von Hendrich als Personifizierung der Naturgewalten dargestellt wurde. Das waren Landschafts - und figürliche Szenen mit einem Hauch von Märchen im malerischen Stil der Sezession. Lange Jahre war die "Sagenhalle" - "Hala Baśni" ein Anziehungspunkt für Touristen.

Die "Sagenhalle” wurde in den 60er Jahren zerstört, die Bilder verschwanden. " An ihrem Ort befindet sich heute das Schulungs- und Erholungszentrum des Polytechnikum Breslau "Radość" (Szklarska Poręba Średnia, ul. Muzealna 5).

Text – Dr. Przemysław Wiater





Legenden

Die Legenden vom Berggeist, bekannt drei Nationen – den Tschechen, Deutschen und Polen, die sie in volkstümlichen Erzählungen von Generation zu Generation weitergaben waren vielfach Thema von Arbeiten der Künstler des Riesengebirges. Als die ersten Verbreiter der Mythen über den Berggeist kann man jedoch die Wallonen ansehen. Sie verallgemeinerten nicht nur die Erzählungen über den gefährlichen Herrn des Riesengebirges sondern schufen auch Erzählungen für ihren Nutzen, wie die Gebrüder Grimm. Die Angst vor den in den unzugänglichen Bergen lauernden Gefahren und der Respekt vor dem Berggeist hielten die Einheimischen von Schatzexpeditionen nach Vorbild der Wallonen ab. Mit der Zeit änderte sich der ursprünglich sehr dämonische Rübezahl in eine durch die Berge streifende Gestalt mit langem grauen Bart und einem unabdingbaren Attribut - dem gewaltigen Stab. Der Berggeist erfüllt die Rolle des Naturhüters und dem, der ihr nicht die nötige Achtung entgegenbringt, spielt er raffiniert Streiche.

„Wiener Handschrift” XV(?) Jahrhundert

„Die Stollen im Schwarzen Berg wurden so tief in den Berg gehöhlt, daher musste man noch vor dem ersten Glockenläuten in sie hineinschreiten, und nach der Vesper zu arbeiten war nicht ähnlich, obwohl man die Arbeit liegen ließ, und das wegen den Geistern, im Besonderen dem Riebenzahl. In den Stollen hängten diese guten Leute Kruzifixe auf.”

„Chronik der Stadt Trutnov” Simon Hűttel, 1576r.

Im Jahre des Herrn 1576, am 29. November, am Donnerstag vor dem Hl. Andreas, nachts, als die Uhr halb zwei schlug, zerstörte das Wasser der Schleuse die Spitalbrücke vor dem untern Tor. Und eine große Kiste, so auf drei Armlängen voller Steine; sie wurde umgeworfen und zusammen mit den Steinen, die darin waren, auf den Grund der Upa gezogen, so auf zwei Dutzend Ellen, das niemand von denen, die das sahen, es einfach nicht glauben konnte. Mit so einen angsteinflösenden Rauschen krachte das Wasser über die untere Brücke an die Häuser bis auf die Tische und Bänke. Es riss eine Menge Gartenzäune aus und richtete außergewöhnlichen Schaden an. Die kaiserlichen Förster und verschiedene Gerüchteerzähler sagten, dass Rübezahl in die Schleuse gestoßen ist und den Schleusenwärter ertränkt hat.”

„Legenden des Riesengebirges und seiner Umgebung” Urszula und Aleksander Wiącek

Über die gläserne Frau von der Insel Murano

Autoren Urszula und Aleksander Wiącek

Im Jahre 1241, nach der großen Schlacht mit den Mongolen auf dem Guten Feld unweit von Leignitz (Legnica) herrschte eine große Armut in Niederschlesien. Es ist wahr, das viele Bauern in ihre verbrannt Hütten zurückkehrten, aber an den Brandstätten fanden sie weder Geräte zur Feldbearbeitung noch Heu für die Rinder, noch Saatgut zum Sähen. Danach zeigten sich eine Menge Fremder auf den Straßen, die sich mit wirrem Blick umsahen, unverständliche Wörter sprachen und die Hand nach Almosen ausstreckten. Unter ihnen war ein gewisser Blinder, der wunderschön Laute spielte und mit tragender Stimme Gotteslider sang. Alle nannten ihn Hexer, da sich in seinen Worten eine Vorhersage versteckte:

„Gott schuf die Sonne und die Sterne am Himmel
Wenn auch nicht für Dich
Weil mit Gottes Wille und dem Heiligen Geist
Nimmt der Tod alle von der Welt
Von der Erde gleitet, auf Flügeln fliegt
Nimmt Dich und Deine Kinder…”

Die Leute bekamen Angst. Man begann leise über das Sterben der Leute zu reden. Die Vorhersage bewahrheitete sich schnell. Als die Maisonne zu wärmen und nach dem Tauwetter die Straßen zu trocknen begannen, begannen die Leute zu sterben. Das kam wahrscheinlich von den nicht vergrabenen Leichen, die zu hunderten nach dem Krieg auf den Straßen, in den ausgebrannten Hütten herumlagen und deren Gift die Fliegen verbreiteten.

Über den tragischen Tod von Rusalka und Kamieńczyk

Autoren Urszula und Aleksander Wiącek

Vor langer Zeit wanderten bei der Goldsuche die Wallonen aus dem fernen Frankenland ins Riesengebirge und ins Isergebirge ein. Sie entdeckten hier zahlreiche Edel- und Halbedelsteine. An ihnen nahmen sich andere ein Beispiel. Einigen gelang es, mit dem Sammeln von farbigen Steinen viel Geld zu verdienen. Sie wohnten in Palästen und führten ein reiches Leben. Die Einwohner der Vorgebirgsweiler und Siedlungen nannten sich Steinchen. Zu dieser Zeit lebte in Schreiberhau (Szklarska Poręba) ein gewisser Mann mit Namen Bronisz. Er arbeitete schwer als Holzfäller um seine Mutter und sich selbst zu ernähren. Vom Frühjahr bis zum ersten Schnee fällte er im Schweiße seines Angesichts Holz im Wald und da sie sehr sparsam lebten, fühlten sie keine Armut, aber Reichtum kannten sie auch nicht. Eines Tages erkrankte die Mutter von Bronisz. Der Sohn musste zu Hause bleiben und sich um sie kümmern. Er machte das mit Liebe und sehr fürsorglich, als jedoch die Armut nach einiger Zeit in ihre Hütte drängte und schon nichts mehr für den Topf da war, entschied er, in die Berge zu gehen und Edelsteine zu suchen, die die reichen Leute gerne kauften. Er nahm einige Scheiben Brot, einen Kümmelkäse, eine Keilhaue und Schaufel und wanderte vor dem Morgengrauen ins Riesengebirge. Mit auf den Boden gehefteten Blick ging er über Wiesen, durch Wälder und unwegsame Berggegenden. Er ging durch wilde Flussbetten, die ausgespülten Ufer anschauend, durchsuchte Felsspalten und alle Steinhalden. Auf diese Weise gelangte er bis zum Elbgipfel (Łabski Szczyt) und auf seinem Südhang ein eine fast flache Wiese, wo die Quelle des Flusses Elbe sprudelte. Hier begann er in der Erde zu graben.