Die Wallonen waren ein romanisches Volk, das während der Zeit der Eroberung Galliens durch die Römer in die an natürlichen Bodenschätzen reiche Gegend kam und auf dem Gebiet des heutigen Belgien, Nordfrankreich und Saarland ansässig wurde. Sie waren Fachleute in der Gewinnung und Verarbeitung des Naturreichtums, auch bei der Nutzung des heimischen Silbers, Goldes und von Edelsteinen. Dank dessen wurden sie an allen Fürsten-, Königs-, und Kaiserhöfen sehr geschätzt. Im Mittelalter waren sie nicht sehr zahlreich. Sie bildeten eine spezifische Kaste, die wie die Alchemisten oder Astrologen über geheimes Wissen verfügte. Die Wallonen hatten einen großen Einfluss auf die damaligen Herrscher. Sie wurden Ingenieure genannt. Sie mühten sich nicht mit schwerer Arbeit, sondern nahmen nur Bodenproben und bewerteten den Wert der Lagerstätte. Erst später begann man, unabhängig von der Nationalität alle, die an den Arbeiten zur Gewinnung der Rohstoffe teilnahmen Wallonen zu nennen, obwohl sie nichts mit dem romanischen Volk gemein hatten. Jeder der Schätze suchte, wurde Wallone genannt.

Aus Dokumenten wissen wir, dass die Wallonen schon im 11. Jhd. für das Fürstentum der Piasten in der Region der Sudeten arbeiteten. Im Flussgebiet der Kamienna und Szklarka sowie auf dem Hohen Iserkamm (Wysoki Grzbiet Izerski) fanden sie nicht nur Gold- und Edelsteinvorkommen sondern auch Piryt (Eisensulfit), auf dessen Basis Eisen geschmolzen und Schwefelsäure hergestellt wurde. Die Reste des Pirytabbaus sind z.B. riesige jahrhundertealte Abraumhalden in der Region der Räuberfelsen (Zbójeckie Skały). Hingegen bei der Mündung des Flusses Szklarska Struga in die Kamienna befinden sich die Fundamente eines alten Vitriolwerks – einer Fabrik zur Herstellung von Schwefelsäure.

Entgegen der allgemeinen Vorstellung waren der größte Reichtum nicht die Edelsteine, sondern gestützt auf die Vorkommen von Quarz und zahlreiche Wasserflüsse entwickelte sich die Glaserei, die das Fundament der Entwicklung der Siedlungen waren.
Obwohl der größte Schatz von Schreiberhau (Szklarska Poręba) das Glas war und nicht das Gold – gibt es das bis heute. Die breiteste Quarzader Europas verläuft vom Iserbuckel (Izerskich Garbów) vorbei am Iserkeuzweg (Rozdroże Izerskie) bis auf den Zackenkamm (Kamieniecki Grzbiet). Sie hat eine Länge von einigen Kilometern. Seit dem frühen Mittelalter wird sie ohne Unterbrechung genutzt. Dort wo Quarz hydrothermalen Ursprungs ist erfolgt durch hohen Druck und die Arbeit wässriger Lösungen eine Sortierung verschiedener chemischer Verbindungen. Deshalb sind die Quarze des Isergebirges goldhaltig, es lohnt sich heute nur nicht es herauszulösen. Es kommen außerdem Edelsteine vor: Quarze - wie Amethyst, Bergkristall und goldbrauner Rauchquarz. Granate - Piryt und Chalkopiryt und auch Pirop – roter Granat. Hier wurden auch Safire, Smaragde Rubine und Zirkone gewaschen. Es gibt sie bis heute, aber nur noch kleine Bruchstücke, eher als interessante Kleinigkeit geschätzt.

Die wichtigste Basis der Schatzsucher war Unterschreiberhau (Szklarska Poręba Dolna), damals Altes Dorf genannt wurde. Es lag am ältesten Weg von Schlesien nach Böhmen. Dies war ein Weg im westlichen Riesengebirge, erstmals in mittelalterlichen Erzählungen und Schriften erwähnt, der so genannte Böhmische Pfad. Auf dem Gebiet des Alten Dorfes befanden sich zwei wichtige Plätze.
Der erste war der Adlerfelsen (Orla Skała) mit einer Kapelle, in der jeder Wallone vor Beginn der Arbeit 7 Tage fastete und an sieben Messen teilnahm. Hier wurden auch seine Werkzeuge gesegnet, und nach der Beichte und der Heiligen Kommunion gelobte er, das gefundene Gut redlich zu teilen. Die Hälfte ging an den hiesigen Landesherrn Schaffgotsch. Die zweite Hälfte musste er je zur Hälfte zwischen der Kirche und sich aufteilen. Er war verpflichtet, von seinem Viertel noch einen Teil für Almosen sowie zur Unterhaltung des Schulzen abgeben. Für ihn blieb nicht Viel übrig.
Diejenigen, die die Verpflichtungen nicht einhielten wurden streng bestraft. Einmal im Jahr wurden durch den Schulzen, der dafür aus Hirschberg (Jelenia Góra) kam die Urteile gefällt. Sie wurden in derGerichtshütte vergeben, gegenüber der alten Linde. Die Linde gibt es bis heute. Sie ist ein Naturdenkmal und wird Gerichtslinde genannt.

Unweit der Kapelle am Adlerfelsen befindet sich ein zweiter Ort, der alsWallonenwegweiser oder "Zuckerkopf" genannt wurde, heute ist er als Chybotek bekannt. Dort fanden heidnische Opferrituale statt (auch blutige), da die Wallonen der Ansicht waren, sie müssen nicht nur die hellen Mächte für sich gewinnen, sondern auch die bösen, gemäß der Regel „ Hier das Licht, dort der Stummel”.

Bis zum heutigen Tag finden wir zahlreiche Spuren dieser mittelalterlichen Geologen – In Fels gehauene geheime Wallonenzeichen, an die Schatztruhe des Berggeistes gerichtet, die natürlichen Vorkommen und Adern. Ihre Geheimnisse schrieben die Wallonen in den Wallonenbüchern nieder. Die Wallonenbücher haben einen großen historischen Wert und zeugen von der ständigen Sehnsucht des Menschen nach Reichtum. Auch heute fehlt es nicht an Hobbymineraliensuchern, wovon die zahlreichen Sammlungen und wunderschönen Ausstellungen der Schätze unserer Berge im Regionalmuseum und Mineralogiemuseum zeugen.

Autor des Textes Großer Wallonenmeister Juliusz Naumowicz

Die Glastradition – wandernde Glashütten

Über Jahrhunderte war die Glasindustrie die führende Tätigkeit der hiesigen Einwohner. Die erste Glashütte entstand im XIV. Jhd. in Unterschreiberhau (Szklarska Poręba Dolna) als ältestem Ortsteil am Bach Szklarkska. Um die Hütte herum entstand eine Siedlung, in der nicht nur Hüttenarbeiter sondern auch Holzfäller und Feuerer wohnten. Mit der Zeit wurde die Hütte ausgebaut und auf den Waldrodungen entstanden Bauernhöfe. Dieser versteckt gelegene Ort, befand sich inmitten großer Waldgebiete, an einem flinken Gebirgsfluss in Nachbarschaft reicher Quarzvorkommen. Die genau Anzahl der Glashütten in Schreiberhau (Szklarska Poręba)ist nicht bekannt, obwohl man annehmen kann, das sie sich im Mittelalter hauptsächlich im Tal befanden, in Unterschreiberhau (Szklarska Poręba Dolna) und sich entlang des Szklarskabaches zum Massiv des Schwarzen Kamms (Czarnego Grzbietu) und im Laufe der Zeit zum Oberlauf des Flusses Kamienna bewegten. Nach Ausnutzung der Rohstoffe (Quarz und holz) zahlte es sich zur damaligen Zeit aus, die Hütten tiefer in die Berge zu versetzen als die Bürde des Transportes auf sich zu nehmen. Deswegen nannte man die Glashütten „wandernde”, und da auf den Rodungen der Hütten landwirtschaftliche Siedlungen entstanden, hauptsächlich pastorale, verbindet man den Namen Szklarska Poręba direkt mit einer reichen, Glastradition.

In den mittelalterlichen Hütten wurde das so genannte Waldglas (vitrium silvestre) oder Bergglas (vitrum montanum)geschmolzen, mit einer geringen Durchsichtigkeit aufgrund von Verunreinigungen durch Asche und zahlreiche Lufteinschlüsse sowie der leicht grünlichen Farbe, daher der umgangssprachliche Name „Grünglas”.

Die größte Blütezeit der Glasverhüttung begann 1617, als der aus dem benachbarten Böhmen übergesiedelteWolfgang Preussler im Weißen Tal (Biała Dolina) eine Glashütte errichtete. Das wichtigste Ereignis in der Geschichte Schreiberhaus (Szklarska Poręba)war die Eröffnung der "Josephinenhütte" - Glashütte "Józefina" am 07. Juli 1842. Zur damaligen Zeit war 1/5 der Bevölkerung von Schreiberhau (Szklarska Poręba) in den Glashütten angestellt. Wenn wir noch die Heimarbeiter dazuzählen, die in häuslichen Schleifereien oder Glasmalereien arbeiteten, zeigt sich, dass die Glasindustrie die Existenzgrundlage für fast jede Familie hier war. In der zweiten Hälfte des XIX. Jhd war die Berühmtheit des hiesigen Glases schon überall verbreitet und voll gerechtfertigt. Das Glas aus der Hütte „Józefina” wurde nicht nur in europäische Länder, sondern auch über den Ozean exportiert. Besonderer Berühmtheit erfreute sich das Zierglas – geschliffen oder bemalt, und die hiesigen Produkte bilden nicht selten wertvolle Exponate von Museen oder privaten Sammlungen. Die Glasverhüttung entwickelte sich in Schreiberhau (Szklarska Poręba)die ganze Zeit über und ihre Geschichte ist bis zum heutigen Tag das Aushängeschild der Stadt. Obwohl die Kristallglashütte „Julia” nicht mehr tätig ist, setzen hiesige Handwerker und Künstler die Tradition fort.